1. Rezension – Vom Anfang und Ende der Schizophrenie

    von

    Vom Anfang und Ende der Schizophrenie

    Eine neuropsychiatrische Perspektive auf das Schizophrenie-Konzept
    Kohlhammer, 2017

    Ludger Tebartz van Elst

    Buchrezension

    Der Autor ist Professor für Psychiatrie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau und Stellvertretender Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg.

    Selbst für den Fachmann ist „Schizophrenie“ ein Begriff, der nach mehr als 100 Jahren psychiatrischer Forschung noch immer einem Wandel unterworfen ist. Ist die Schizophrenie eine Krankheit wie Diabetes oder Parkinson? Wie sicher ist die Diagnose? Sind die Experten sich bezüglich der Ursache(n) und der Behandlung einig? Auf Fragen wie diese findet man Hinweise und Antworten im vorliegenden Buch.

    Nach einer Beschreibung der Symptomatik und der Verlaufsformen einer „Schizophrenie“ widmet sich Tebartz van Elst der Entstehung des heutigen Schizophreniekonzepts aus geschichtlicher Sicht. Der Deutsche Psychiater Emil Kraepelin (1856–1926) fasste drei schon früher beschriebene Krankheitsformen (Hebephrenie, Katatonie, Paranoia) unter dem Begriff Dementia Praecox (frühzeitige Verblödung) zusammen. Patienten mit dieser Diagnose haben per Definition alle einen chronischen Verlauf, der mit dem Zerfall der Persönlichkeit (Demenz) endet. Wenig später wurde vom Schweizer Psychiater Eugen Bleuler (1857-1939) der Begriff Schizophrenie geschaffen. Er hat nicht nur den Namen, sondern auch die diagnostischen Kriterien verändert, so dass mehr Patienten diese Diagnose bekommen und nun auch gutartige Verläufe eingeschlossen sind. Bleuler sprach eigentlich von der Gruppe der Schizophrenien, womit schon die Heterogenität des Schizophreniekonzepts angedeutet wird. Doch davon später mehr. Einen weiteren wichtigen Beitrag zum heutigen Schizophreniekonzept hat der Deutsche Psychiater Kurt Schneider (1887-1967) geleistet. Im Gegensatz zu Bleuler stellte er für die Diagnose einer Schizophrenie seine „Symptome ersten Ranges“ (insbesondere akustische Halluzinationen („Stimmenhören“), Gedankeneingebung/Gedankenentzug und Wahnvorstellungen) in den Vordergrund.

    In weiteren Kapiteln wird eine Beschreibung von Normalität und (psychischer) Erkrankung durchgeführt (43 Seiten). Hier wird auf die beiden Erklärungsmodelle der kategorialen Phänomene (gesund – krank) und eines dimensionalen Verständnisses (fliessender Übergang von gesund zu krank) eingegangen. Der Autor bevorzugt das zweite Erklärungsmodell und weist darauf hin, dass psychotische Erlebnisse auch bei gesunden Menschen häufiger als angenommen vorkommen. Er zitiert eine Studie aus dem Jahr 2013, in der die Häufigkeit psychotischer Erlebnisse über die gesamte Lebenszeit mit 7.2 % angegeben wird (Seite 118).

    Im nächsten, wissenschaftlich recht anspruchsvollen, Kapitel werden neuroanatomische, neurochemische, genetische und persönlichkeitsstrukturelle Hypothesen und Modelle der „Schizophrenie“ besprochen. Auch das Vulnerabilitäts-Stress-Modell von Zubin & Spring wird vorgestellt.

    In den letzten beiden Kapiteln, die meines Erachtens die interessantesten dieses Buches sind, wird zuerst auf neuere Erkenntnisse der Neuropsychiatrie der „Schizophrenie“ eingegangen. Es werden beispielhaft einige rein somatische (körperliche) Ursachen psychotischer Symptome, die unerkannt oft zur falschen Diagnose einer Schizophrenie führen, vorgestellt. Es sind dies: 1. genetisch bedingte Stoffwechselstörungen (z.B. intermittierende Porphyrie, das 22q11-Syndrom, Niemann-Pick Typ C), 2. paraepileptische Störungen (bei etwa 7 % der Menschen mit der Diagnose „Schizophrenie“ oder „Schizoaffektive Störung“ wurden pathologische EEG-Befunde festgestellt, Seite 173) und 3. entzündliche Prozesse/Autoimmunerkrankungen (z.B. Hashimoto-Enzephalitis). Erst vor ca. 15 Jahren wurde die grosse Bedeutung von durch Autoantikörper verursachten Enzephalitiden (Gehirnentzündungen) als Grund einer psychotischen Symptomatik nachgewiesen (siehe die Internetseite des „Deutsches Netzwerk zur Erforschung der autoimmunen Enzephalitis (GENERATE)“ weiter unten).

    Sechzehn über das Buch verteilte Kasuistiken (Beschreibung von Krankheitsfällen) verdeutlichen in hilfreicher Weise die Vielfalt von möglichen körperlichen Ursachen für die Symptomatik einer „Schizophrenie“.

    Abschliessend wird das Für-und-Wider des Schizophreniebegriffs diskutiert. Bei der heutigen Definition der „Schizophrenie“ handelt es sich um ein Konstrukt, das es so nicht gibt. Um es mit den Worten eines der Führer der deutschen Schizophrenieforschung, Prof. Heinz Häfner vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim zu sagen: „Das Konstrukt einer Krankheitseinheit Schizophrenie des frühen Emil Kraepelin lässt sich nicht erfolgreich verteidigen. (…). Eine Vielzahl von verschiedenen körperlichen und psychischen Ursachen kann zur Diagnose einer Schizophrenie führen“. Des Weiteren ist noch zu erwähnen, dass auch die verschiedenen Subtypen sehr unterschiedlich sind. Der bei uns am häufigsten vorkommende Typ ist die „paranoid-halluzinatorische Schizophrenie“. Bei der Katatonie handelt es sich wahrscheinlich um eine eigenständige Krankheit, die gut auf eine Behandlung mit Benzodiazepinen (Lorazepam) und EKT (Elektrokrampftherapie) anspricht. Die Vielgestaltigkeit der Symptomatik und des Verlaufs nährt auch Zweifel an einer präzise definierten Krankheit „Schizophrenie“ (Seite 199). Dass die „Schizophrenie“ keine einheitliche Krankheit, sondern ein Sammelsurium von ganz verschiedenen Krankheiten und funktionellen Störungen ist, würde auch plausibel erklären, dass trotz grossem finanziellem und personellem Aufwand auf diesem Gebiet in den letzten Jahrzehnten keine wesentlichen Fortschritte erzielt wurden.

    Im Kapitel „Die Alternative – die Schizophrenien im nächsten Jahrhundert“ (ab Seite 214) schlägt der Autor aus der Sicht des Neuropsychiaters eine sehr hilfreiche neue Sichtweise der „Schizophrenie“ vor. Tebartz van Elst plädiert für die Abschaffung der „Schizophrenie“. Je nach Ursache der Symptomatik würde man dann etwa von einer „NMDA-Rezeptor-Enzephalitis mit paranoid-halluzinatorischem Syndrom“ oder von einer „paraepileptischen Katatonie“ sprechen. Der Autor macht auch sehr gute Vorschläge bezüglich einer adäquaten Anamnese (im Gespräch ermittelte Vorgeschichte eines Patienten in Bezug auf seine aktuelle Erkrankung) und der indizierten klinischen Untersuchungen (EEG, bildgebende Verfahren, Laboruntersuchungen), die so meist nicht ausgeführt werden. Es bleibt zu ergänzen, dass die Liste der möglichen somatischen Ursachen einer „Schizophrenie“ noch viel länger als in diesem Buch angedeutet ist. Neben (ererbten) metabolischen Störungen, Epilepsien und autoimmun induzierte Hirnentzündungen sind auch noch Infektionen (Viren, Bakterien, Parasiten), verschiedene Karzinome, Hormonstörungen (z.B. Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Nebenniere), Drogenmissbrauch, Nebenwirkung von Medikamenten, Nährstoffmangel (z.B. Vitamine B3 & B12), entzündliche Erkrankungen (z.B. Lupus, Sjögren), Hirnverletzungen u. a. zu nennen (siehe auch unter weiterführender Literatur). Daneben gibt es auch rein psychogen verursachte „Schizophrenien“ (z.B. durch Traumata).

    Die Diagnose einer „Schizophrenie“ und ihrer Subtypen (Diagnoseschlüssel: F 20) erfolgt ausschliesslich auf der Grundlage von Symptomen nach dem zurzeit noch gültigen Diagnosemanual der WHO, dem ICD-10 (Internationale Klassifikation psychischer Störungen, Kapitel V (F)). Eine Unterscheidung, ob diese Symptome als Folge einer körperlichen Problematik oder psychogen verursacht sind, ist so nicht möglich. Die Behandlung erfolgt dann in der Regel im Rahmen einer reinen Symptomunterdrückung mit Neuroleptika (Antipsychotika).

    Abschliessend sollen die Konsequenzen einer falschen Sicht der „Schizophrenie“ erläutert werden. Für die richtige Therapie ist die richtige Diagnose unabdingbare Voraussetzung. So wie in der Zeit vor den Antibiotika viele Menschen mit der Diagnose „Schizophrenie“ unter einer Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum (Erreger der Syphilis/Lues) litten, die die einzige Ursache der psychischen Symptomatik war, so ist auch heute davon auszugehen, dass bei einem gewissen Anteil der „Schizophrenen“ eine körperliche Erkrankung die Ursache der psychotischen Symptomatik ist. Bei Vorliegen solch einer somatischen Problematik muss diese zielgerichtet behandelt werden (z. B. mit Antibiotika, Kortison oder Antiepileptika). Die psychische Symptomatik wird dann von alleine zurückgehen. Eine internistische und eine neurologische Abklärung sollte immer durchgeführt werden, um Fehldiagnosen und unnötiges jahrelanges Leiden zu verhindern. Dies ist im Nachhinein auch bei einer „Therapieresistenz“ unbedingt angezeigt. Entsprechende Untersuchungen werden u. a. an der Universitätsklinik in Freiburg i. Br. durchgeführt.

    In diesem Buch wird die „Schizophrenie“, wie der Untertitel schon sagt, aus der Perspektive der Neuropsychiatrie betrachtet, die diese Störungsbilder als durch eine Funktionsstörung des Gehirns verursacht versteht. Diese Perspektive hat ihre Grenzen und kann nur einen Teil der „Fälle“ erklären. Weder psychisch verursachte (d.h. psychogene) Psychosen werden berücksichtigt, noch Psychosen, deren organische Ursache (noch) nicht gefunden wurde (d.h. die weiterhin als „endogen“ bezeichnet werden). Die vorgestellte Sichtweise und Kritik am heutigen Schizophreniekonzept ist gut fundiert und wird so in den gängigen Lehrbüchern der Psychiatrie nicht gefunden. Auch für so manchen praktizierenden Psychiater handelt es sich hier um „Neuland“.

    Was kann der Seelsorger aus diesem Buch für seinen Umgang mit Betroffenen lernen?
    Zusammenfassend einige wichtige Aussagen:
    1. „Schizophrenie“ ist keine Krankheit, sondern ein Konstrukt (Etikett), unter dem verschiedene Symptome zusammengefasst werden. Sie ist keine Krankheit wie Parkinson oder Diabetes, sondern vielmehr ein Sammelsurium von ganz verschiedenen körperlichen Erkrankungen und psychischen Problemen, die sich in einer ähnlichen Symptomatik äussern.
    2. Eine „Schizophrenie“ wird auf der Grundlage von Symptomen (Fragebogen) diagnostiziert. Eine Unterscheidung oder gar Identifikation der Ursachen ist so nicht möglich.
    3. Der Übergang zwischen „normal“ und „krank“ ist fliessend. Eine genaue Abgrenzung ist nicht möglich.
    4. Ein Teil der Menschen mit der Diagnose „Schizophrenie“ hat als Ursache eine ausschliesslich körperliche Erkrankung/Problematik. Bei einer entsprechenden somatischen Therapie oder Vermeidung des auslösenden Faktors geht die Symptomatik in der Regel ohne Psychopharmaka zurück.
    5. Die Diagnose „Schizophrenie“ ist sehr ernst und hat oft weitreichende Auswirkungen im Leben der Betroffenen. Aus diesem Grund sollte in jedem Fall eine umfassende internistische und neurologische Untersuchung durchgeführt werden, um behandelbare körperliche Erkrankungen auszuschliessen. Diese wurde von den behandelnden Ärzten oft nicht, oder nicht umfassend genug, durchgeführt.

    Für diejenigen, die sich intensiver mit dieser Thematik beschäftigen wollen, stellt dieses Buch eine gute und zeitgemässe Ergänzung dar, die wir gerne empfehlen.
    Denen, die auch ohne das Buch einen weiteren Einblick in diese Thematik erhalten möchten, seien die weiter unten aufgeführten Beiträge und der Vortrag von Prof. Tebartz van Elst empfohlen.

    Dr. rer. nat. Martin Schumacher
    Weihnachten 2018

    Beiträge und Vortrag zum Thema
    Schizophrenie – Eine Autoimmunerkrankung?
    https://www.swr.de/odysso/das-ende-der-schizophrenie/-/id=1046894/did=21312316/nid=1046894/1x6iu1a/index.html

    Krise der Psychiatrie: Diagnosendämmerung
    https://www.deutschlandfunk.de/krise-der-psychiatrie-diagnosendaemmerung.740.de.html?dram:article_id=431710

    Vortrag “Gehirn und Krankheit – Die Abschaffung der Schizophrenie?
    Die Neudefinition der psychiatrischen Krankheiten” am Universitätsklinikum Freiburg (2015) https://www.youtube.com/watch?v=bB_87iL_3Kc

    Deutsches Netzwerk zur Erforschung der autoimmunen Enzephalitis (GENERATE)
    https://generate-net.de/

    Ein Verzeichnis der Zentren in Deutschland und dem nahen Ausland, in denen diese Untersuchungen durchgeführt werden, findet man hier:
    https://generate-net.de/zentren.html

    Weiterführende Literatur
    James Morrison, When Psychological Problems Mask Medical Disorders, Guilford Press,
    New York 2015

    Robert Taylor, Psychological Masquerade – Distinguishing Psychological from Organic
    Disorders, 3rd Edition, Springer, New York 2007

    Rudolf Cardinal & Edward Bullmore, The Diagnosis of Psychosis, Cambridge University Press, Cambridge 2011

    Anthony David u. a., Lishman’s Organic Psychiatry, 4th Edition, Wiley, Oxford 2012

    Ghazi Asaad, Understanding Mental Disorders Due To Medical Conditions Or Substance Abuse: What Every Therapist Should Know, Brunner/Mazel, Florence 1995

    Raymond Lake, Schizophrenia is a Misdiagnosis, Springer, New York 2012

  2. Thomas Wohler

    von

    Vorstellung Leitungskreis: Thomas Wohler


    Thomas Wohler ist Absolvent des Theologisch-Diakonischen Seminars (TDS) in Aarau / Schweiz. Er war zunächst sechs Jahre im Pfarramt der Evangelisch-reformierten Landeskirche in St.Gallen tätig und ist seit 1999 Pfarrer in der Freien Kirche Uster. Thomas ist verheiratet mit Esther und hat drei erwachsene Kinder.

     

    Auf die Frage hin, weshalb Biblische Seelsorge für ihn so wichtig ist, antwortet Thomas:

    Seit meiner Kindheit hat Gott in mein Herz ein tiefes Vertrauen in die Bibel als das wahrhaftige und unfehlbare Wort Gottes verankert. Während meiner Ausbildung sind mir die Reformatoren des 16. Jahrhunderts vertraut geworden. Ihr Leben und ihr unerschütterlicher Glaube an den Dreieinigen Gott haben mich tief beeindruckt. Die reformatorische Theologie hat mir für die Gemeindearbeit ein solides Fundament gelegt, das sich bewährt hat und immer wieder neu bewährt.

    Als ich vor einigen Jahren auf den 3L-Verlag aufmerksam gemacht worden bin, las ich zuerst ein paar Bücher von Martyn Lloyd-Jones. Diese Bücher waren hilfreich und ermutigend. Da Lloyd-Jones immer wieder auf die Puritaner verwies und der 3L-Verlag anfing, eine stattliche Anzahl puritanischer Literatur herauszubringen, hat es mich vollends gepackt. Die praktische, lebensnahe und für den Glaubensalltag konkrete Theologie hat mein Interesse an Seelsorge weiter genährt. Und so begann ich auch noch die zeitgenössischen Autoren der Seelsorgebücher aus dem 3L-Verlag zu verschlingen.

    In dieser Zeit entstand ein erster Kontakt zu der „Interessengemeinschaft für Biblische Seelsorge“ (IfBS) in der Schweiz. Schließlich hatte ich das Vorrecht im Rahmen meines Studienurlaubs im Jahr 2012 als Gasthörer ein Semester am CCEF (Christian Counseling & Educational Foundation) bei Philadelphia in Pennsilvania zu besuchen. Über alle diese Begebenheiten kam es bald danach zu weiteren Kontakten in Deutschland und der sich dort anbahnenden Idee, ein Netzwerk für Biblische Seelsorge im deutschsprachigen Raum aufzubauen.

    Der Ansatz der Biblischen Seelsorge ermutigt mich im Gemeindealltag immer wieder auch angesichts von Leid, Sünde und Schwachheit darauf zu vertrauen, dass Gott sein Werk, das er in den Gläubigen angefangen hat, gewiss auch vollenden wird. Zu erkennen, dass das höchste Ziel meiner Existenz die Ehre und Anbetung Gottes ist, gibt meinem Leben höchsten Sinn und vollkommene Erfüllung. Zu wissen, dass wir es mit einem souveränen und gerechten Gott zu tun haben, schenkt mir Trost und Gelassenheit auch dort, wo ich selber nur ohnmächtig und sprachlos bin. Zu sehen, dass Gottes Wort lebendig und wirksam ist, dass es sündige, verhärtete oder verbitterte Herzen heilsam entlarvt und durch Gottes Gnade verändert – selbst wenn sich schlimmste äussere Umstände nicht (sofort) verändern bzw. verhindern lassen sollten, bin ich immer wieder erstaunt über unseren wunderbaren und treuen Erlöser und Hirten Jesus Christus, von dessen Liebe uns nichts und niemand je trennen und aus dessen Hand uns niemand je reißen könnte.

    Was für eine unerschütterliche Hoffnung! Was für ein herrlicher Gott! Weshalb also Biblische Seelsorge? Weshalb nur Biblische Seelsorge? Genau deshalb: denn „Das ist mein Trost in meinem Elend, dass dein Wort mich am [ewigen] Leben erhält!“ (Psalm 119,50) … zu Gottes Ehre und zu unserer ewigen Freude!

  3. Friedhelm Anhuth

    von

    Vorstellung Leitungskreis: Friedhelm Anhuth

     

    Friedhelm Anhuth leitet nach 35jähriger Berufstätigkeit in der Wirtschaft zusammen mit seiner Frau Gudrun den 3L Verlag, der im Februar 2000 in Friedberg gegründet wurde.
    Gemeinsam mit Michael Martens als Pastor war Friedhelm mehrere Jahre Ältester in der FeG Friedberg.

     

    Auf die Frage hin, weshalb Biblische Seelsorge für ihn so wichtig ist, antwortet Friedhelm:

    Es begann mit dem Lesen der Puritaner, die im Kern immer wieder auf die Notwendigkeit der Veränderung des Herzens hinweisen, um in der persönlichen Heiligung zu wachsen. Dies ist ja auch ein zentraler Punkt in der Biblischen Seelsorge. Praktizierte Biblische Seelsorge ist nicht nur wichtig für Kirchen und Gemeinden allgemein, sondern für jeden einzelnen von uns, um ein Leben zur Ehre und Herrlichkeit Gottes zu führen.

    Aus diesem Grund war Biblische Seelsorge im 3L Verlagsprogramm von Anfang an ein Schwerpunkt. So veröffentlichten wir schon im Jahr 2003 das erste Seelsorge Buch „Befreit leben“ (engl. Titel „When people are big and God is small“ von Edward T. Welch).
    In der Zeit der ersten Veröffentlichung intensivierten wir auch den Kontakt zu CCEF (Christian Counseling and Educational Education) in Philadelphia und nahmen an mehreren Seelsorgekonferenzen von CCEF in den USA teil.
    Da wir als Verlag von der Arbeit des CCEF und seiner Autoren wie Edward T. Welch, David Powlison und Paul D. Tripp, um nur einige zu nennen, überzeugt waren, folgten nun Jahr für Jahr mehrere Bücher dieser Autoren.
    Neben diesen Veröffentlichungen weiterer Seelsorgetitel war es mir zusammen mit Michael M. immer ein Anliegen, Biblische Seelsorge in den Gemeinden bekannt zu machen. Es hat allerdings dann noch Jahre gedauert, bis diese Idee mit der Gründung des NBS verwirklicht wurde.
    Mir ist es ein Anliegen, durch den 3L Verlag die Arbeit des Netzwerkes mit biblisch fundierter Seelsorge-Literatur zu unterstützen, damit neben dem Wort Gottes auch Bücher helfen, Herzen zu verändern und unserem Herrn immer ähnlicher zu werden.

    Friedhelm und seine Frau Gudrun sind seit 1968 verheiratet und haben 5 Kinder und 10 Enkelkinder.

  4. Befreit Leben – Leseprobe

    von

    Heute stellen wir ein Buchkapitel aus Edward T. Welch „Befreit Leben“ vor.

    Wen fürchten wir (wen meinen wir zu brauchen, wer beherrscht uns)?
    Fürchten wir Gott oder die Menschen? Die Bibel nennt uns
    drei Beweggründe für unsere Menschenfurcht:
    1. Weil Menschen uns bloßstellen und demütigen können
    2. Weil wir von ihnen abgelehnt, lächerlich gemacht und
    verachtet werden können
    3. Weil wir angegriffen, unterdrückt oder bedroht werden können
    Selbstachtung, Gruppenzwang, Ablehnung, das ständige Streben nach Anerkennung – der Autor Edward T. Welch entlarvt diese Verhaltensweisen als Menschenfurcht. Menschen werden größer und mächtiger angesehen als Gott. Aus dieser „Furcht“ heraus geben wir ihnen die Macht und das Recht, uns vorzuschreiben, was wir fühlen, denken und tun sollen. Die Frage, ob wir uns lächerlich machen, beschäftigt uns viel mehr (Menschenfurcht) als die Frage, ob unser Verhalten Sünde ist (Gottesfurcht).
    Edward T. Welch zeigt den biblischen Weg aus dieser Sackgasse – den Weg zu einem echt befreiten Leben.

    Was wir wirklich brauchen

    Doch nun zurück zu der Frage: Wer sind wir? Wir haben gesehen, dass manches, was wir als echtes Bedürfnis empfinden, nichts
    mit dem Ebenbild Gottes in uns zu tun hat. Aber wir haben noch nicht darüber gesprochen, wie dieses Ebenbild aussieht. Was ist die biblische Alternative zur Auffassung, der Mensch sei ein leerer Becher?
    Da der Mensch als Abbild Gottes ja Gott ähnlich ist (1.Mose 1,27), muss unsere erste Frage lauten: „Wer ist Gott?“ Jede Lehre über die Gottesebenbildlichkeit des Menschen muss mühelos und ständig zwischen
    Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis hin und her wechseln können. Erst mit einer klaren Gotteserkenntnis
    können wir auch fragen: „Wer sind wir?“

    Wer ist Gott und was „braucht“ er?
    Bei Gott und seinem Reich geht es, ganz schlicht und ergreifend, um Gott – um den dreieinigen Gott, den Heiligen Israels. Was braucht der dreieinige Gott? Er braucht nichts. Er ist sich selbst genug. Der Vater liebt den Sohn, und der Sohn freut sich am Vater und will nichts als seinen Willen. Gottes größte Freude ist die Freude an sich selbst. Das mag im ersten Moment seltsam klingen, aber können wir ernsthaft denken, Gott könnte sich für irgendetwas anderes verzehren, das niedriger ist als sein eigenes, vollkommenes und heiliges Wesen? Das wäre auch für ihn Götzendienst. Denn damit würde er etwas anderes über sich, den Schöpfer, erhöhen. Gottes Absicht aber ist, sich selbst und seine Herrlichkeit groß zu machen. Er will seinen Namen erhöhen. „Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit!“ (Röm 11,36).

    Wenn du mehr lesen willst, kannst du dir das Kapitel 9 hier als PDF herunterladen: Befreit Leben – Leseprobe.